
In den letzten Tagen wurden wieder einmal auffällige Anschwemmungen toter Aale am Rheinufer gemeldet. Dabei handelt es sich fast nur um sehr große Tiere und offensichtlich um „Blankaale“, die sich auf der Abwanderung ins Meer befunden haben. Die Aale weisen leicht erkennbar eindeutige Verletzungen als Folge mechanischer Einwirkungen auf, z.B. Blutergüsse, Schnittwunden sowie teilweise und vollständige Durchtrennungen, so dass nur noch Hautschläuche den Körper zusammenhalten.
Leider wird Derartiges regelmäßig seit vielen Jahren beobachtet. Das Phänomen tritt offensichtlich besonders deutlich auf, wenn eine Hochwasserwelle irgendwann im Winterhalbjahr, die von den Blankaalen für die Abwanderung zum Laichen genutzt wird, schnell abklingt, so dass sich in der Drift befindliche verletzte und verendete Aale in strömungsberuhigten Uferbereichen ablagern. Dies geschieht dann nicht überall gleichermaßen, sondern vornehmlich in bestimmten Rheinuferabschnitten. Aktuell trat das Phänomen besonders massiv im Raum Düsseldorf auf.
Verletzungen infolge mechanischer Einwirkungen dürften abwandernde Aale überall dort erfahren, wo sie mit dem Hauptabfluss Pumpen oder Turbinen in Wasserkraftanlagen passieren müssen. Da es im Rheinstrom (unterhalb der ersten Staustufe in Iffezheim am Oberrhein) keine Querbauwerke und Wasserkraftanlagen gibt, und da das Phänomen schon öfter auch im oberen nordrhein-westfälischen Rheinabschnitt nahe der Landesgrenze beobachtet wurde, dürften die angelandeten Aale mit größter Wahrscheinlichkeit aus den großen Rheinzuflüssen mit Wasserkraftanlagen außerhalb von Nordrhein-Westfalen stammen. Nicht auszuschließen ist auch, dass abwandernde Aale mit Schiffsschrauben in Kontakt kommen, allerdings dürfte dieses Risiko erst bei sehr niedrigen Rheinabflüssen bestehen, wenn wandernde Fische in die eigentliche Schifffahrtsrinne gezwungen werden.
Proben der toten Aale wurden von Mitarbeitern des Rheinischen Fischereiverbands von 1880 e.V. am vergangenen Freitag sichergestellt, damit sie im Rahmen eines Forschungsprojektes im Rahmen des INTERREG-Programms untersucht werden können. Aus den Ergebnissen lassen sich dann hoffentlich erstmalig konkrete Erkenntnisse zu den Ursachen der Verletzungen und der Herkunft der Aale ableiten. Die Aufsammlung wurde von der Presse begleitet: Pressemeldung WDR1
Um ein umfassenderes Bild von der Lage zu erhalten rufen wir dazu auf, uns entsprechende Beobachtungen per E-Mail an info@rheinfischrei-nrw.de zu melden, gerne auch mit einigen Fotos. Bitte machen Sie dabei Angaben zu Funddatum, Fundort (anhand der Rheinkilometrierung), Uferseite und der ungefähren Anzahl der toten Aale im bezeichneten Abschnitt.

Vielen Dank!

